Oman, Woche zwei!

Teil zwei des Berichts aus dem Orient von Prof. Xaver Egger:

Fast schon wieder rum, die zwei Wochen hier. Die Arbeiten sind abgegeben. Einige Studierende haben die Möglichkeit wahrgenommen, nachzuarbeiten. Insgesamt bin ich immer noch fasziniert von der Vielfalt der Themen und dem Weitblick, der darin steckt. Umso mehr, als die Wirtschaft des Landes sich ja immer noch auf fossile Bodenschätze stützt. Das macht Hoffnung. Alles andere wie etwa Grundrechenarten und ähnliche Vorteile im Alltag können wir ja beim nächsten Mal vertiefen.

Gestern war ich in den Bergen, in Fanja, einer Oasenstadt, wie während der Besetzung der Küstenregion durch die Portugiesen Rückzugsort der Omanis war. Und das wundert mich nun doch: Viele Studierende sprechen von Architektur als Ausdrucksform, eigene Identitäten zu bewahren. Fanjas Altstadt, aus Lehm erbaut, zerfällt, ist Müllhalde der wenigen, die dorthin kommen, um Party zu machen. Und die Identität? Öde Leere statt urbaner Dichte, als Betonskelettbau mit ornamentalen Applikationen.

Apropos Leere vs. Dichte. Ich habe selten eine Stadt gesehen (LA vielleicht), die so viel Platz für Infrastruktur vorhält und in Folge dessen quasi keinen öffentlichen Raum mit Aufenthaltsqualität ausbildet. Dabei war auch das in Fanja schön zu sehen. Die schmalen Gassen spenden Schatten bei 50 Grad im Sommer und es weht immer eine Brise, die es erträglich macht. Trotzdem werde ich künftig wohl versuchen, ein Engagement in den Sommersemestern zu vermeiden.

Und dann hatte ich da noch einen Gedanken, als ich durch die kargen Berge stapfte, die hauptsächlich aus Korallen bestehen. Ja, ganz recht, aus Korallen! Was wäre das heute wohl für ein Land, wenn sich vor Millionen von Jahren die Kontinentalplatten anders übereinandergeschoben hätten als sie das haben? Dann wäre hier vermutlich immer noch ein riesiges Meer statt einer riesigen Wüste. Ist dieser Planet nicht faszinierend? Für so ein Menschenleben ganz schön viel zu entdecken.

Ach ja, fast hätte ich es vergessen. Die Fahrt nach Fanja dauerte eine halbe Stunde, der Rückweg von Fanja dauerte Stunden. Gestern war National day, der Geburtstag des Sultans. Für die wichtige Parade waren die wichtigsten Straßen gesperrt (also so was wie fashion week in Berlin, wenn die Straße des 17. Juni dicht ist und Chaos ausbricht). Die Omanis haben schon seit Wochen die Straßen geschmückt (um genau zu sein die Pakistanis, Inder und Bangladeshi), die Autos in den Nationalfarben dekoriert. Und dann ging es los bis spät in die Nacht mit Autokorso, fahnenschwenkend auf den Autodächern sitzend, lauter arabischer Pop oder Hiphop, der sich mit dem Hupkonzert zu einer infernalischen Kakophonie vermengt.

Jährlich gibt es viele Tote, weil sie shisha-berauscht von den Autos fallen. Viele fahren mit ihren monströsen SUVs querfeldein, wo leider eben manchmal andere sitzen und grillen. Aber was soll´s, wenn man seinen Sultan feiern möchte und seinen eigenen Wohlstand zeigen.

Wer den ersten Teil des Blogs verpasst hat kann ihn hier nachlesen: Bericht aus dem Orient

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