Oh Mann, Oman!

Man verzeihe mir den Kalauer, aber liegt angesichts täglicher Überraschungsmomente hier einfach zu nahe. „Fährst Du weit weg, hast Du weit nach Hause“. Ich erinnere mich gut an diesen Spruch meines Opas. Stimmt ja auch, geografisch betrachtet. Ihr liegt auch nicht ganz falsch, wenn ihr denkt, dass mein Opa nicht weit rum gekommen ist. Ich würde in Abwandlung sagen: „Fährst Du weit weg, bringst Du viel mit nach Hause“. Reisen bildet, das ist nicht neu.

Neu ist für mich allerdings gewesen, erstmals als Gastprofessor im arabischen Raum tätig zu sein. Und da bringt man tatsächlich viel mit nach Hause. Urban Economics ist das Schwerpunktthema, mit dem ich mich und die Studierenden hier beschäftige. Es sind Studierende im fünften Semester. Und Ökonomie spielt tatsächlich eine große Rolle hier. Auch bei jungen Menschen. So lange das Öl sprudelt und damit die Hauptgeldquelle, liegt der Fokus auf Kommerz, auf Business.

Umso überraschender dann, als wir nach meiner Einführung in einem gemeinsamen Brainstorming herausgearbeitet haben, was nach ihrer Meinung künftig Tätigkeitsfelder für urban planning und architectural design im Oman sein könnten. Da geht es dann um Waste recycling anhand eines Cradle to Cradle Projekts, ein Gesundheitszentrum für die Volkskrankheiten Diabetes und Hypertonie, mehr Grün in der Stadt (klar, aber auch nicht einfach zu realisieren), Food Production  in der Stadt, um unabhängiger von Lebensmittelimporten zu sein, eine Rennstrecke sozusagen für Edutainment, damit die jungen Leute aus Langeweile nicht sich und andere mit ihren schnellen Autos auf öffentlichen Straßen totfahren, sondern aufgeklärt werden über die Gefahren und lernen, schnell, aber beherrschbar zu fahren, ein Rehabilitationszentrum für Drogenabhängige (Hört, hört! Ich dachte, so etwas gäbe es im Sultanat nicht), urban density, die es mit wenigen Ausnahmen auch nicht gibt, ein Co-Working und Co-Living Projekt, ein Training-Center, um junge Menschen besser ins Berufsleben zu bringen (klingt nach unserem Talentarium) wegen der steigenden Arbeitslosigkeit (Ich habe dann mal nachgerechnet. Sie liegt bei ca. 1 %!) …

Und ich höre immer wieder das Wort Krise. Eigentlich sollte nach der Vorstellung von Sultan Qaboos eine Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke gebaut werden, der erste und einzige Public Transport im Land. Wird aber nun nicht, da die Wirtschaft eingebrochen ist wegen des zu geringen Ölpreises. Die großen Autos für die großen Straßen kriegt man nun für kleines Geld, aber keiner will sie mehr haben. Apropos Straßen: Es gibt eine absurde Autobahn, die in engen Serpentinen einen Gebirgskamm überwindet. Warum? Der Sultan mag keine Tunnel! Sultan müsste man …, nein, nicht doch.

Gestern dann hatte ich Public Lecture um 13.30. Eine der Assistentinnen meinte, da kämen nie mehr als 50 Hörer. Dann mussten sie ganz schnell ganz viele Stühle tragen. Der Raum war krachend voll, die Stimmung gut. Mein Thema war community und urbanity, dargestellt anhand einiger ausgewählter SEHW-Beispiele. Anderthalb Stunden Vortrag, war Spaß, aber auch ein ordentliches Stück Arbeit. Viel Zustimmung hinterher von Seiten des Kollegiums, viele Praktikumsanfragen von Studierenden.

Viel, um es mit nach Hause zu nehmen.

XE