Spätschicht

Berichte aus dem Orient, Teil 3

06.45 Ankunft in Muscat, der Flughafen angenehm klimatisiert, draußen frühmorgens schon über 30 Grad. Der Fahrer der Uni wartet. Salam. Hätte gerne noch einen Tag frei gehabt, um anzukommen. Aber ab 10.00 Vorlesung, wieder klimatisiert, dann Einstieg in das Projekt. Rethinking Ruwi. Ruwi ist ein relativ urbaner Stadtteil im Osten der Stadt, viele Menschen auf der Straße, was durchaus nicht immer so ist (siehe u.a. auch Klima). Es geht um Walkability, mehr Dichte, Attraktivierung oder überhaupt erst mal Schaffung von öffentlichem Raum. Ich höre mir die ersten Ideen an und beschließe, mir abends ein eigenes Bild vom Ort zu machen.

Aha. Da gehen die Vorstellungen doch etwas auseinander. Dort, wo eine Gruppe nach allen Seiten mit gleichen Gebäuden und gleicher Nutzung reagiert, finde ich auf einer Seite eine Hochstraße als Stadtautobahn, auf der anderen Seite einen großen Parkplatz, sonst Resträume. Am nächsten Tag mit meinen Eindrücken konfrontiert, antworten die Studierenden, „it´s not an issue for Omani people to live to a highly frequented street.“ „But would you like to live in a situation like this?“ „No, of course not.“

Ich finde aber auch architektonische Frühwerke der sogenannten omanischen Renaissance. Das ist die Zeit der Regentschaft von Sultan Qaboos seit 1970. Die Architektur ist eine spannende Melange aus endender Spätmoderne und beginnender Postmoderne mit lokalen Versatzstücken. Fassaden zwischen Barbican, Ozeandampfer, gelandeten Ufos. An der Oman Development Bank wird noch gearbeitet, ein Bild mit Augenzwinkern.

Dann zu Fuß durch das Wadi, das den Stadtteil wie eine Barriere trennt, obwohl es nur ein- bis zweimal im Jahr überhaupt Wasser führt. Außer mir geht aber auch kaum jemand durch das trockene sandige Flussbett. Auf der anderen Seite ist es kleinteilig und lärmig. Was von der Straße wie ein kleiner von Indern geführter Laden aussieht, wird nach hinten immer größer und unüberschaubarer und absurder. Von Gebetsteppichen über kleine Hausaltäre, Tische, Stühle, Gewürze, ein ganzes Warenhaus voll mit Reis in 50 kg Säcken (Wann kriegt man das denn aufgegessen?), ein Regal voller winkender Katzen, eingestaubter Kunstblumengirlanden (scheint nicht so der Renner zu sein) … und irgendwo werde ich wieder ausgespuckt auf die Straße.

Gegenüber ein Busterminal! Ja, ganz richtig: BUSTERMINALl!!! Es gibt jetzt öffentlichen Nahverkehr. Gab´s bisher nicht. Ich bin ja selbst auch mit einem Mietwagen unterwegs. Man weiß nicht immer, wo´s langgeht, da die Beschilderung sagen wir mal etwas unklar ist, aber sei´s drum. Dann zurück, einmal volltanken bitte! Macht 8 Omani Real, also zirka 16 Euro. That´s why it´s like that!

XE

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