So machen wir Schule!

Erinnert ihr euch noch an eure Schulzeit?

30 Kinder sitzen möglichst still und leise an Zweiertischen, während ein Erwachsener vorne an der Tafel steht und etwas erklärt, so war das doch meistens. Heute ist das ja alles anders, höre ich oft von den Kollegen mit Kindern. Der Frontalunterricht sei Geschichte und heute lerne man in Clustern, altersübergreifend. Wirklich? Und was bedeutet das für die Gestalter der Lernräume, der Schulen?

SEHW Architektur hat bereits eine lange Tradition im Bildungsbau, aber nicht alles was früher galt, gilt heute immer noch. Daher hat Professor Xaver Egger die Einladung der Montag-Stiftung, dem Verband Bildung und Erziehung e. V. und dem Bund Deutscher Architekten mit Begeisterung angenommen,  im Rahmen des Symposiums „Schulbau der Zukunft“ in einem Team aus Experten/innen und Politik Eckpunkte und Qualitätskriterien für ein neues Förderverständnis für die Investitionen in den Schulbau zu formulieren.

Grundlage dafür sind unter anderem die Leitlinien für leistungsfähige Schulbauten in Deutschland, die kürzlich in dritter vollständig überarbeiteter Auflage erschienen sind.

Im Unterschied zur Erstauflage des Planungsleitfadens kommt zu den Anlässen, Sanierungsstau, flächendeckende Einführung der Ganztagsschule, Inklusionsanforderungen, der grundlegende Wandel des pädagogischen Verständnisses und der Anforderung an die Digitalisierung der Gesellschaft ein unerwarteter dramatischer Bevölkerungszuwachs. Es besteht also ein Handlungsdruck!

Aber jetzt ist es wichtig nicht nur auf die gestiegenen quantitativen Bedarfe einzugehen sondern vor allem die Anforderungen an moderne Lernräume nicht außer Acht zu lassen. Und nicht nur das. Um einen zukunftsfähigen Schulbau mit einer geschätzten Nutzungsdauer von 50 Jahren zu gestalten, braucht es auch einen visionären Blick. Wer kann denn jetzt schon wissen, wie sich die pädagogischen Konzepte in den kommenden 20 Jahren entwickeln werden?

Die Experten des Leitfadens kommen daher zu der Empfehlung einer neuen Schwerpunktsetzung auf die „Phase Null“. Die Planungsphase vor der eigentlichen Planung muss mit allen beteiligten Fachdomänen zusammen stattfinden! Wir brauchen gegenseitiges Verständnis der Fachdisziplinen, Pädagogik, Architektur,  Verwaltung und Politik.

Das sind die Zehn Thesen zum Schulbau aus dem Arbeitsbuch Schulen planen und bauen 2.0 – Grundlagen, Prozesse, Projekte auf einem Blick:

These 1 – Lernen benötigt viele und unterschiedliche  Perspektiven, Zugänge und Ergebnisse.

These 2 – Gelernt wird allein, zu zweit, in der Kleingruppe, mit dem ganzen Jahrgang, jahrgangsübergreifend und auch im Klassenverband.

These 3 – Ganztagsschule heißt Lernen, Bewegen, Spielen, Toben, Verweilen, Reden, Essen und vieles mehr – in einem gesunden Rhythmus.

These 4 – Schulbuch und Kreidetafel werden ergänzt durch Tablet-PC, Smartboard und andere Neue Medien.

These 5 – Förderung in einer inklusiven Schule geschieht in heterogenen Gruppen.

These 6 – Kulturelles und Ästhetisches Lernen muss durch Pädagogik und Architektur vermittelt werden.

These 7 – Lernen in Gesundheit und Bewegung findet in anregender und weiträumiger Umgebung statt.

These 8 – Demokratisches Lernen benötigt eine demokratische Schule.

These 9 – Schule ist im Umgang mit Umwelt und Technik ein Vorbild.

These 10  – Die Schule öffnet sich zur Stadt – die Stadt öffnet sich zur Schule.

Die Schule als dritter Pädagoge

Wie sieht also der moderne zukunftsfähige Schulbau aus, der Platz für variables Lernen und Bewegen gibt? Der demokratisch ist und vorbildlich im Umgang mit Technik und Umwelt und sich zur Stadt öffnet?

Der Leitfaden zeigt eine Auswahl an interessanten, räumlichen Lösungsbeispielen zu dieser Fragestellung. Zum Beispiel für Clusterräume, offene Lernlandschaften, Erschließungsbereiche als zusätzliche Aufenthalts- und Lernflächen, Foyers, Aulen, Mensen, Bibliotheken, Selbstlernzentren und Außenräume. Die Bildstrecken in diesem Artikel zeigen Räume, die wir für unsere laufenden Schulprojekte entworfen haben.

Schließen möchte ich mit einem schönen Zitat aus dem Beitrag zu dem Symposium im Deutschlandfunk: „Ob sie (die Schüler) hängen, sitzen oder liegen, Hauptsache sie arbeiten!“ Unsere (Lern-) Welt verändert sich, geben wir ihr den Raum dazu!

LK

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