#smartroom

Seit kurzer Zeit arbeiten wir an der Entwicklung eines Konzepts für bedarfsorientierte Standards und Cluster für die IT-Lehrräume an der Beuth Hochschule für Technik in Berlin. Jetzt fragt ihr euch vielleicht: IT-Lehrräume? Sind das nicht die ungemütlichen PC-Pools, in denen Studierende wie Hühner auf der Stange sitzen? Ja, genau! Um diese Räume geht es in unserem neuen Projekt (BEUTH).

Die Hochschule hat uns zusammen mit dem Unternehmen Steelcase beauftragt diese Räume mit ihren Nutzungen hinsichtlich der Anforderungen an Lehre und Forschung, Auslastungen und Kapazitäten näher zu untersuchen und mit den ermittelten Bedarfen eine Strategie für eine effiziente Ressourcensteuerung zu entwerfen. Die Expertise von Steelcase und unsere Erfahrungen in Sachen Hochschulplanung verbinden unsere Zusammenarbeit und schaffen neue Synergien.

Unter Berücksichtigung der rechtlichen Rahmenbedingungen und baulichen Restriktionen versuchen wir das analysierte Anforderungsprofil in optimierte Raumtypologien und Raumzusammenhänge zu transformieren sowie Ausstattungs- und Möblierungsstandards zu definieren. Ein wesentliches Ziel ist es, einen Masterplan für die gesamte Hochschule zu entwickeln, um unter anderem eine langfristige Steuerung von Investitionsentscheidungen sicherzustellen, aber auch ein motivierendes Arbeits- und Lernumfeld zu schaffen. Am Beispiel der Bedarfe des Fachbereichs für Informatik und Medien mit seinen 9 Laboren und insgesamt 16 IT-Lehrräumen soll das Konzept zunächst exemplarisch entwickelt werden.

Wie sieht es heute aus?

Die derzeitige Situation ist bestimmt von der dezentralen Verwaltung aller rechnergestützten Unterrichtsräume. Die Raumvergabe und die Wartung der IT-Infrastruktur erfolgt in der jeweiligen Verantwortung der Fachbereiche. Dadurch sind Größe, Möblierung und Typus im höchsten Maß individuell ausgeprägt. Um besonders nutzerorientiert zu planen, haben wir mit einigen Personen Gespräche geführt. Was ist der didaktische Ansatz der Lehre? Wie und wann werden die Räumlichkeiten genutzt? Wie muss ein Rechnerarbeitsplatz beschaffen sein? Kann die Administration der Rechner auch zentral erfolgen? Welche räumliche Nähe ist ihnen wichtig? Fühlen sie sich wohl?

Die Nutzerinterviews und der anschließende Nutzerworkshop verliefen ziemlich ernüchternd. Veränderungen, welche natürlich Optimierungen in vielerlei Hinsicht bedeuten, sind für den Großteil der Nutzer leider selten willkommen. Am liebsten soll alles so bleiben wie es ist. Diskussionen zur IT-Infrastruktur und Personalstruktur waren an der Tagesordnung. Diese Aspekte müssen unbedingt mitgedacht werden. Und das natürlich nicht zu Ungunsten der Nutzer.

Doch wer sind eigentlich die Nutzer? Neben den Studierenden arbeiten Laborleiter und -mitarbeiter in den Räumlichkeiten, administrieren die Rechner, helfen den Studierenden und Lehrbeauftragten bei technischen Fragen und managen den alltäglichen Laborwahnsinn. In diesen seit Jahrzehnten gewachsenen Strukturen räumlich einzugreifen, stößt natürlich bitter auf. Verständlich. Dabei sind doch gerade Hochschulen und Universitäten dynamische, auf Wandel eingestellte Einrichtungen.

Wirft man einen Blick in Richtung Zukunftstrends, wird einem schnell bewusst, dass die Lernwelt von Morgen digital geprägt ist. Veränderte Verhaltensmuster und neuartige Kommunikations- und Medientechnologien bereichern Studierende und Dozenten gleichermaßen. Cloud-Technologien, wie bspw. ein internes Hochschulnetzwerk,  haben sich längst durchgesetzt. Daten sind überall und jederzeit abrufbar. Das führt dazu, dass die Studierenden mit den eigenen Devices im permanenten Austausch mit ihrer Lernumgebung stehen. „Sie sind quasi mit ihren Mobile Devices verheiratet“, sagte ein Labormitarbeiter treffend. Werden stationäre Arbeitsplatzrechner dann überhaupt noch benötigt?

Diese Frage stellten wir uns gleich zu Anfang. Uns wurde schnell bewusst, dass der PC in einigen Lehrräumen des Fachbereiches nicht nur ein Hilfsmittel darstellt, sondern selbst Gegenstand der Lehre ist. Dabei werden Hard- und Software nicht nur für die Lehre genutzt, sondern mit Hilfe von lizensierten Spezialprogrammen und Versuchsboards selbst entwickelt. In diesem Lehrkontext die Mobile Devices der Studierenden anzuwenden ist für Labormitarbeiter und Dozenten aufgrund des hohen Betreuungsaufwands noch nicht absehbar. Allerdings sind die übrigen IT-Lehrräume nur mit einer Standardsoftware für die Grundlagenausbildung ausgestattet, in denen es denkbar wäre ein Bring Your Own Device-Konzept (BYOD) zu planen.

Neben den (sicherheits-) technischen Voraussetzungen und einer intakten IT-Struktur für BYOD-Konzepte, wie beispielsweise flächendeckende WLAN-Netze, eine funktionierende Firewall, Virtuell Machines und Network Access Control, muss erwähnt werden, dass nicht davon ausgegangen werden kann, dass jedem Studierenden ein eigenes Mobile Device zur Verfügung steht. Eine Lösung kann zukünftig ein hochschulinterner Notebook-Verleih darstellen.

Das ist unsere Vision,  dass diese „festen“ Rechner ihre dominierende Rolle mit den fortschreitenden Möglichkeiten der Digitalisierung, dem zunehmenden Einsatz von Notebooks und der immer engeren Anbindung an das Hochschulnetz verlieren werden.

In diesem Zusammenhang ist es unsere Aufgabe die Laborleiter und Mitarbeiter im Prozess der Veränderung zu begleiten und gemeinsam trotz aller Bedenken ein zukunftsweisendes Konzept für smartrooms zu entwickeln. To be continued

SM

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