im Wandel der Zeit

wenn die ersten Projekte des Frühwerks verschwinden. 

Es war Mitte der Neunziger Jahre. Erste Dellen in der Nachwende-Euphorie. Der damalige Chef des Berliner Universitätsklinikums Charité Prof. Köttgen sah sich die Pläne von SEHW für die neue Rettungsstelle und das operative Zentrum der Charité am Campus Mitte an. Die These, dass auch öffentliche Einrichtungen um Aufmerksamkeit bei ihrer Zielgruppe werben müssen, war damals ziemlich neu. Daraus entstand das für Jahre typische und weithin sichtbare Signet mit dem großen frei schwebenden Dach. Es ging uns darum, in der damaligen Heterogenität der oberen Luisenstraße eine offene, eine einladende Geste zu kreieren und damit Hemmschwellen zu senken. Denn wer geht schon gerne in die Rettungsstelle eines Krankenhauses?

Unser eigener Claim zu dem Projekt war damals „Manchmal wünschen wir uns, dass Sie unsere Projekte nie kennenlernen.“. Von 2001 bis 2019 war das von der Berliner Schnauze „Surfbrett“ getaufte markante Gebäude Anlaufpunkt für Menschen in Not. Nun muss es weichen. Die Zeit dreht sich weiter. Der Gebäudekomplex wird derzeit ein weiteres Mal umgebaut für neue Nutzungen der Universitätsmedizin. Aus unserem Projekt ist im eigentlichen Wortsinn ein Häufchen Elend geworden. Das Gebäude ist verschwunden, das Surfbrett reitet hoffentlich irgendwo die nächste Welle.

Wir haben uns gedanklich davon verabschiedet, dass unsere Gebäude Hunderte von Jahren Bestand haben so wie das früher war. Das liegt wohl auch daran, dass die Halbwertszeiten der Nutzungen immer kürzer werden. Es war zuletzt geradezu absurd, dass wir etwa für temporäre Forschungsvorhaben, die gerade mal drei Jahre Laufzeit haben, Gebäude bauen, die hundert Jahre stehen sollen. Macht 97 Jahre Nachnutzungsdauer, 97 Jahre Kompromisse. Oder wir planen gleich flexibler, so dass die Gebäude gerade im Wissenschaftsbereich einfacher umzunutzen sind. Wir sind als Architekten die einzigen Gestalter, die Prototypen gestalten. Aber vielleicht müssen wir die neu denken, damit wir uns länger daran erfreuen können.

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